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Roland-zu-Bremen-Oberschule in Huchting feiert Jubiläum / Erinnerung an Tintenkleckse und Elternbriefe
 
 

50 Jahre Lausbubengeschichten

Annica Müllenberg 30.11.2014
 
SÜD / Feierstunde 50 Jahre Roland zu Bremen OS /Flämische Straße © Walter Gerbracht
Sorgte bei der Jubiläumsfeier für schwungvolle Rhythmen: der Schulchor der Roland-zu-Bremen-Oberschule. Selten haben sich in der Aula so viele Menschen wie an diesem Mittwoch zusammengefunden.

Wenn die Feier zum 50-jährigen Bestehen in der Roland-zu-Bremen-Oberschule mit einer Note bewertet werden müsste, hätten alle Beteiligten eine „1 plus“ verdient. Ehemalige und heutige Schüler sowie Pädagogen waren am Mittwoch in der Aula zusammengekommen. Viele Gäste ließen es sich nicht nehmen, unter der goldenen 50 ein paar Worte über die Vergangenheit zu verlieren.

Von einem normalen Schultag war keine Rede. Am Eingang hingen rote und gelbe Ballons. Überall herrschte feierliche Stimmung. „Wir haben schon einen sehr schönen und ereignisreichen Tag der offenen Tür hinter uns“, erzählte die stellvertretende Direktorin Ayten Sariyildiz, bevor sie in das Abendprogramm führte. An diesem Abend zeigten die heutigen Schüler, dass sie vielfach begabt sind, vor allem in Bezug auf Musik. Der Chor begrüßte das Publikum mit schwungvollen Rhythmen und brachte die Zuschauer dazu, mit den Füßen zu wippen.

SÜD / Feierstunde 50 Jahre Roland zu Bremen OS /Flämische Straße © Walter Gerbracht
Mit 94 Jahren war Siegfried Wirth wohl der älteste Gast an diesem Abend. Er war der erste Direktor der Roland-zu-Bremen-Oberschule.

Auf Wiesen und Moor errichtet

Als Vertreter der Bildungsbehörde blickte Detlef von Lührte in die Historie zurück. „Als diese Ausbildungsstätte 1964 gegründet wurde, kam ich auch gerade zur Schule, nun bin ich Abteilungsleiter für Bildung und erlebe eine Premiere – ich bin zum ersten Mal an der Roland-zu-Bremen-Oberschule“, sagte von Lührte. Vor mehr als 50 Jahren habe es an selbiger Stelle außer Wiesen und Moor nichts gegeben. Er erinnerte an Jahre mit stark schwankenden Schülerzahlen, in denen der Unterricht nicht so einfach zu bewältigen war.

SÜD / Feierstunde 50 Jahre Roland zu Bremen OS /Flämische Straße © Walter Gerbracht
Er ist der heutige Schulleiter: Eckhard Feige. Sein liebster Ort im Gebäude ist das Schülerrestaurant. Dort sei immer ein Platz für ihn frei.

Im Gründungsjahr lernten noch 304 Mädchen und Jungen das Lesen an der Flämischen Straße. Vier Jahre später waren es bereits mehr als 1000. In Klassen mit bis zu 50 Schülern gab es Schichtunterricht – morgens und nachmittags. Gesessen wurde wo es eben gerade ging. Geschadet hat es nicht, von Lührte zeigte sich beeindruckt von der Zahl prominenter Absolventen.

Einige Ehemalige nahmen ebenfalls das Mikro in die Hand. Unter ihnen war der Leichtathlet Lars Figura. Als Profi-Sprinter brachte er viele Medaillen und Meistertitel nach Huchting. Diese Erfolge haben in der Roland-zu-Bremen-Oberschule begonnen, „man hat geschafft, mich zu begeistern, das war entscheidend“, resümiert der heutige Rechtsanwalt. Angestachelt haben Lehrer ihn allerdings auch – Wirtschaft und Englisch, das habe er nicht drauf, wurde ihm suggeriert. Neben dem Jurastudium musste es dann also noch eines für Wirtschaft sein. Heute verhandelt er oft auf Englisch: „Es gelingt mir ganz gut, sagt man.“

SÜD / Feierstunde 50 Jahre Roland zu Bremen OS /Flämische Straße © Walter Gerbracht
Blickte in die Historie: Detlef von Lührte, Vertreter des Bildungsressorts.

Ebenfalls an das Rednerpult trat der Kommunalpolitiker Manfred Oppermann von der SPD. Früher Schul- und Klassensprecher – heute Abgeordneter der Bremischen Bürgerschaft. Er hatte manchmal seine Probleme mit dem ehemaligen Direktor Siegfried Wirth. Einige blaue Briefe erreichten das Elternhaus von Oppermann, „das war damals nicht immer angenehm, aber ich habe ihm verziehen. Ich bin sehr stolz auf diese Schule“, sagte Oppermann, während er zum wohl ältesten Gast des Abends schaute. Wirth, der erste Schulleiter der Institution stand der Schule seit 1964 genau 18 Jahre lang vor. „Ich bin froh, dass ich in meinem Alter noch mit dabei sein kann, schließlich werde ich im nächsten Monat 95 Jahre alt“, sagte der Pädagoge.

Wirth brachte anlässlich des Jubiläums ein ganz besonderes Geschenk mit: Das Abschlussalbum, das er nach seiner 18-jährigen Dienstzeit bekommen hatte – ein dicker Lederband mit Fotos, Zahlen, Daten und Geschichten. Er überließ die Sammlung der Schule mit den Worten, „die Historie geht ja weiter, also gehört es an diesen Ort.“ Fragt man den heutigen Schulleiter Eckhard Feige nach seinem Lieblingsort, muss er nicht lange nachdenken: „Mittags gehe ich gerne ins Schülerrestaurant“, sagt er. Dort schallen Rufe von allen Seiten: „Herr Feige, setzen Sie sich zu uns?“ Einen freien Platz für den Direktor gibt es immer. „Es ist toll, dass wir einen so guten Austausch pflegen. Man sitzt zusammen, erzählt und hat einen vertrauten Umgang.“ Und was denken die heutigen Schüler? „Die Lehrer geben Zauberstunden, weil sie wie im Flug vergehen“, meinte eine Sechstklässlerin. Ibrahim Makhloufi erzählte in seiner Laudatio, wie er es von der Förder- über die Integrationsklasse hin zu einem sehr guten Realschulabschluss geschafft habe und nun den Weg zum Abitur einschlage. Ohne pädagogisches Geschick und eine gut ausgerichtete Integration wären diese ersten Karriereschritte sicher nicht möglich gewesen.

SÜD / Feierstunde 50 Jahre Roland zu Bremen OS /Flämische Straße © Walter Gerbracht
Lars Figura, ehemaliger Schüler.
Um den feierlichen Rahmen gerecht zu werden, gab es allerlei Klangvolles. Neben dem Schülerchor trat die Gitarrengruppe auf. Der ehemalige Schüler und jetzige Musiker Andreas Einhorn hatte zur Feier des Tages eine Zeile des Songs „What A Wonderful World“ zu „What A Wonderful School“ – was für eine wundervolle Schule – umgedichtet. Der Überraschungsauftritt der kurzfristig gegründeten Lehrerband sorgte für Nachhall – noch am nächsten Tag war er Gesprächsstoff auf den Fluren. „Das sind ja richtige Rocker“, hieß es anerkennend. Sie müssen ihre Bühnenkarriere nun fortsetzen – „so wie die Roland-zu-Bremen-Oberschule den Nachfolgenden noch viele schöne Jahre schenken wird“, sagte Schulleiter Feige.

 

 

 

 

 

Quelle:

http://www.weser-kurier.de/bremen_artikel,-50-Jahre-Lausbubengeschichten-_arid,1000946.html